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Eine Flasche am Strand – wo könnte sie enden?

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Jan Andries van Franeker, Biologe am Institute für Marine Resources & Ecosystem Studies der Universität von Wageningen (Niederlande), beschäftigt sich seit Jahren mit Seevögeln. Er beobachtet ihre Ernährungsgewohnheiten und betrachtete dabei insbesondere die Folgen der Meeresverschmutzung. Nach seinen Schätzungen dürften sich allein in den Mägen einer einzigen Spezies – der Möwengattung Eissturmvogel – rund 45 Tonnen Plastik befinden. i

Wie kann dies passieren? Ganz einfach: Die Vögel verwechseln kleine Plastikteile mit ihrer natürlichen Nahrung, fressen sie oder verfüttern sie an ihre Jungen. All das Plastik gefährdet ihre Gesundheit und nimmt nicht selten so viel Platz in ihren Mägen ein, dass sie elend verhungern. Betroffen sind jedoch nicht allein Vögel: Immer häufiger ereilt beispielsweise auch Meeresschildkröten oder Fische ein ähnliches Schicksal. Von den unmittelbaren Folgen für die Tierwelt einmal abgesehen, birgt dies eine ernste Gefahr für die Nahrungskette als Ganzes: Über Krebstiere und Fische können Mikropartikel aus Kunststoff letztlich auch in die Nahrung des Menschen gelangen.

In nahezu allen Ozeanen treiben mittlerweile größere Plastikansammlungen, die häufig als „Plastiksuppe“ bezeichnet werden. Nicht nur auf abgelegenen Inseln, sondern auch an den Stränden ganz in unserer Nähe werden erschreckende Mengen von Plastikmüll angespült – von Getränkekisten bis hin zu winzigen Teilchen, die kaum von Sandkörnern zu unterscheiden sind.

Woher kommt all der Müll?

Die Müllbelastung unserer Meere hat alarmierende Ausmaße angenommen. Von Tausenden von Tonnen ist die Rede. Der Ursprung dieser Abfälle ist regional unterschiedlich. Während etwa bei der Nordsee bis zu 95 % des Mülls auf Schifffahrt und Fischerei zurückgeführt werden kannii (z. B. Fischernetze, Fanggeschirre, Langleinen, Abfälle von Schiffen), ist bei anderen Meeren der vom Land aus kommende Anteil weitaus größer, er wird weltweit mit 80 %iii beziffert. Von dort wird der Müll in der Regel über Flüsse oder den Wind eingetragen. Häufig landet der Plastikmüll in Flüssen oder später im Meer, nachdem er von unseren Straßen in die Kanalisation gespült wurde.

Das Problem bleibt jedoch aufgrund seiner großen geografischen Ausdehnung relativ unauffällig. Hinzu kommt ein erheblicher Unsicherheitsfaktor: Die Masse einer der bekanntesten Ansammlungen – des „Plastikstrudels“ in einem Strömungswirbel des Pazifischen Ozeans – wird mit den verschiedensten Werten zwischen 12 und 280 Tonneniv veranschlagt. Diese große Spannbreite ist darauf zurückzuführen, dass es kaum möglich ist, Teile unterschiedlichster Größe – viele davon klein wie Sandkörner – in einem derart großen Bereich zuverlässig zu erfassen. Alle nur denkbaren Plastikteile wurden bereits entdeckt: von Besteck und Flaschen hin zu Frisbee-Scheiben, Helmen und sogar ganzen Kanistern. Als besonders gefährlich aber gelten winzige Pellets.

Bisweilen wird zwar von Meerestieren berichtet, die im Plastikmüll einen neuen Lebensraumvgefunden haben – besonders praktisch zur Eiablage –, doch insgesamt sind die Folgen fatal.

Ein Bild vom möglichen Ausmaß vermittelt eine Säuberungsaktion aus dem vergangenen Jahr: Gut 4 Millionen Kilo Müll sammelten Freiwillige an insgesamt 33.000 km Küsten und Ufern ein. Das waren mehr als 120 kg pro km Küstenlinie! Der Großteil davon entfiel zwar auf Zigarettenkippen, doch auch die Plastikmengen – insbesondere Flaschen und Flaschenverschlüsse – waren nicht zu vernachlässigen.

Was wird getan?

Eine ganze Reihe von NGOs (Nichtregierungsorganisationen), Unternehmen, Branchenverbänden, Schulen und Bürgerinitiativen befassen sich mit dem Thema, und die Ziele sind:

A number of initiatives – from NGOs, companies, industry associations, schools and individuals - are running with the aim of:

  • Aufklärung der Öffentlichkeit
  • Untersuchung des Ausmaßes des Problems
  • Reduzierung der Mengen von Kunststoffpellets, die in Gewässer gelangen
  • Entwicklung nachhaltigerer Produkte oder Verpackungen in Zusammenarbeit mit Wertschöpfungspartnern
  • Bessere Abfallwirtschaft
  • Überzeugungsarbeit.

Was kann ich tun?

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Die „Plastiksuppe“ geht uns alle an. Wir alle sind aufgefordert, unser Verhalten zu ändern. Eigentlich ist es ganz einfach: Wir müssen unsere Plastikabfälle korrekt entsorgen, recyceln oder wiederverwenden. Weiterhin muss der Anteil reduziert werden, der auf der Müllkippe landet, geschweige denn achtlos auf die Straße oder in die Landschaft geworfen wird. Im Kleinen fängt es an.

Indem wir Recycling, Wiederverwendung oder auch Verbrennung zur Energiegewinnung forcieren, reduzieren wir ein Problem, das uns – direkt oder indirekt – alle betrifft.

Zudem gibt es zahlreiche Freiwilligenteams, die Flüsse und Strände säubern. Vielleicht finden Sie eines in Ihrer Nähe? Tatkräftige Hilfe ist sicher willkommen! Wenn Sie von einer Aktion vor Ort gehört haben, wie wäre es mit einem Posting als Kommentar zu diesem Artikel?

Einige der Verbände, die sich für saubere Meere engagieren:

http://www.sas.org.uk/campaigns/marine-litter/ (GB)

http://www.wildlifetrusts.org/petitionfish (GB)

http://www.mcsuk.org/what_we_do/Clean+seas+and+beaches/Pollution+and+litter+problems/Pollution+and+litter+problems (GB)

http://plasticsoupfoundation.org/wat-kun-jij-doen/ (Niederlande)

http://www.nabu.de/themen/meere/plastik/fishingforlitter/ (Deutschland)

http://www.projectkaisei.org/index.aspx (international)

http://www.oceanconservancy.org/our-work/marine-debris/international-coastal-cleanup-11.html (international)

http://www.plasticseurope.org/


Anmerkungen

http://ipsnews.net/news.asp?idnews=54992

Jan van Franeker, IMARES, “Marine Litter: Let's talk about it", May 2010 and (4) Faris, J. and Hart, K., Seas of Debris: A Summary of the Third International Conference on Marine Debris, N.C. Sea Grant College Program and NOAA, 1994, title page.

Algalita Marine Research Foundation

Edward Kosior, Kaisei Project, “Marine Litter: Let's talk about it" Discussion Panel, May 2010

http://news.sciencemag.org/sciencenow/2012/05/ocean-trash-is-a-lifesaver-for.html