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Kaffee aus Einwegbechern: Was sind die Folgen?

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Wir alle brauchen Stärkung im Büroalltag. Da können leicht einmal 4 oder 5 Tassen Kaffee oder Tee pro Mitarbeiter und Tag konsumiert werden – und der Becher landet dann meist im Mülleimer. Malen Sie sich nur einmal die Abfallmengen aus, die dabei jährlich anfallen ...

Was sind die Alternativen?

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Im Büro geht es nicht ohne Kaffee und Tee – und die werden nun einmal aus Tassen oder Bechern getrunken. Realistisch betrachtet gibt es nur drei Möglichkeiten: Mehrwegbecher aus Keramik oder Einwegbecher aus Pappe oder Kunststoff. Welche Variante ist die umweltfreundlichste?

Zu den Fakten

Ist die Ökobilanz von Keramikbechern wirklich günstiger als die von Einwegbechern? Nicht unbedingt! Ihre Herstellung verlangt mehr Energie, und aufgrund ihres höheren Gewichts wird mehr Sprit für den Transport – z. B. vom Werk in den Handel – benötigt. Hinzu kommen der Wasser- und Spülmittelverbrauch beim Abwasch.

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Ein typischer Plastikbecher hingegen bringt nur wenige Gramm auf die Waage – günstig für den Transport und die spätere Entsorgung. Vergleichsweise unkompliziert ist auch das Recycling. Ähnlich leichtgewichtig sind zwar Pappbecher, doch ihre Produktion erfordert Holz, und ihre Innenbeschichtung aus Kunststoff verhindert meist das Recycling. Konkret gesagt: Nur wenn Keramikbecher jahrelang immer wieder genutzt werden – zwischen 500 und 3.000 Mal, so TNO, eine niederländische Organisation für angewandte Wissenschaft – beginnen sich ihre Umweltauswirkungen zu neutralisieren.

Abwasch oder Mülleimer?

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In einer unabhängigen Studie bezifferte TNO die Umweltauswirkungen der Einweg-/Mehrweg-Alternative nach dem Prinzip der ökologischen „Schattenkosten“, die beispielsweise bei der Herstellung oder Entsorgung anfallen.

Das Ergebnis: Alles in allem liegen Einwegbecher um rund 20 % vor Tassen oder Bechern aus Keramik(i). Nicht zu unterschätzen ist dabei jedoch der Einfluss des Einzelnen: Je seltener Keramikgeschirr gespült wird, desto günstiger fällt seine Ökobilanz aus – genauer gesagt, ab 5-maliger Verwendung ohne Spülen beginnen Mehrwegbecher umweltverträglicher zu werden, so TNO.

Gleiches gilt natürlich auch für Einwegbecher: Durch mehrmalige Verwendung lässt sich ihre Ökobilanz weiter verbessern. Letztlich aber müssen wir uns fragen, wo unsere Prioritäten liegen. Möchten wir das Erdöl sparen, das die Produktion von Kunststoff nun einmal erfordert? Oder doch eher Energie und Wasser über den gesamten Lebenszyklus? Es mag zunächst widersinnig erscheinen, doch bei einigen Produkten – so auch Bechern – könnte sich Kunststoff letztlich eben doch als die nachhaltigere Alternative erweisen.

Und in Ihrem Büro?

image description Beim Becher haben Sie möglicherweise keine Wahl: Sie müssen nehmen, was aus dem Automaten kommt. Und dennoch: Sie können etwas bewirken! Denken Sie daran, Plastikbecher mehrmals zu verwenden – insbesondere, wenn Sie nur Wasser trinken. Erkundigen Sie sich, ob gebrauchte Becher recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt werden. Eiskratzer, Schlüsselringe und Becherträger – das sind nur drei Beispiele von Recyclingprodukten aus Polystyrol, dem Ausgangsmaterial von Plastikbechern(ii). Pappbecher hingegen landen in aller Regel auf der Deponie, denn die Innenbeschichtung erschwert das Recycling. Doch auch sie können in der Regel mehrmals verwendet werden – einfach behutsam mit etwas lauwarmem Wasser ausspülen. Sie bleiben doch am liebsten bei Keramik? Dann gilt: Je seltener Sie abwaschen, desto besser. Ausspülen mit ein wenig Wasser ist oft völlig ausreichend.

Und das Fazit? Gerade in Sachen Nachhaltigkeit kann der erste Schein trügen. Wir sollten das große Ganze im Auge behalten – und dabei niemals vergessen, dass wir alle, jede und jeder Einzelne, die Ökobilanz von Gegenständen unseres täglichen Gebrauchs verbessern können.

Anmerkungen

(i) Summary Research Drinking Systems, 2007. TNO http://www.tno.nl/downloads/2006-a-r0246e_b_summary.pdf

(ii) http://saveacup.co.uk/shop/index.php