In der Herstellung benötigen Plastiktüten noch keine 6% des Wassers das für die Herstellung von Papiertüten notwendig ist!
In der Herstellung benötigen Plastiktüten 65% weniger Energie< als Papiertüten!
Würde man in ganz Europa Plastiktüten durch Papiertüten ersetzen, so würden die jährlichen CO2 - Emissionvergleichbar sein mit den Emissionen, die 175.000 Fahrzeuge verursachen!

Plastiktüten oder Papiertüten

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Das Material der Wahl – Kunststoff oder Papier?

Diese Frage hat inzwischen große Debatten ausgelöst: Sollte man beim Lebensmitteleinkauf Plastiktüten verwenden oder zur Papiertüte greifen? Auf den ersten Blick ist dies eine leichte Wahl, doch mit jeder Art von Tüte sind zahlreiche positive und negative Aspekte verbunden. Von Nachhaltigkeit und Wiederverwendbarkeit bis hin zu den Kosten auf den gesamten Lebenszyklus gerechnet gibt es bei Papier- und Plastiktüten vieles zu beachten, das nicht sofort ins Auge fällt. Schauen wir uns also an, wie jeder Typ die Umwelt beeinflusst.

Kunststoff oder Papier – Zahlen und Fakten im Vergleich

Viele Menschen glauben, dass Papiertüten deutlich umweltfreundlicher als Plastiktüten sind, weil sie letztlich aus Holz hergestellt werden, einer natürlichen, organischen und erneuerbaren Ressource. Kunststoff dagegen wird in einem chemischen Prozess aus Öl oder Gas hergestellt, einem nicht erneuerbaren Rohstoff. Schauen wir uns die Herstellungsverfahren beider Materialien jedoch genauer an, so scheint die Produktion von Papiertüten deutlich weniger umweltfreundlich zu sein als die Herstellung von Plastiktüten. Im Folgenden ein vergleichender Überblick über die Herstellung von Plastik- und Papiertüten (1).

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Wie Sie sehen, wird in beiden Produktionsprozessen Wasser benötigt, jedoch werden zur Herstellung von 1000 Plastiktüten nur 220 Liter Wasser benötigt, während zur Erzeugung derselben Anzahl von Papiertüten 3800 Liter erforderlich sind.(1)  Auch hinsichtlich des Energieverbrauchs und des Ausstoßes an Treibhausgasen während des Produktionsprozesses schneiden Plastiktüten deutlich besser ab.

Um alle Plastiktüten, die während eines Jahres in der Europäischen Union verbraucht werden, durch Papiertüten zu ersetzen, müssten zusätzlich 2,2 Millionen Bäume gefällt werden. Dies würde bedeuten, dass man 110 km² Wald rodet. Wenn das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt (bei der jährlich 5% der erwachsenen Bäume gefällt und durch neue Setzlinge ersetzt werden), so wäre dazu eine Fläche notwendig, die fast so groß ist wie das Großherzogtum Luxemburg.(2) Zusätzlich würde man jährlich 156 Milliarden Liter Wasser benötigen (dies entspricht der Menge von 60,000 Schwimmbecken von Olympiaformat.).(3)

Eine Studie im Auftrag der internationalen Handelskette Carrefour Group(4) verglich im Jahre  2005 die Umweltauswirkungen von Papier- und Plastiktüten. Das Ergebnis besagte, dass Plastiktüten insgesamt umweltfreundlicher seien als Papiertüten und dass ihre Vorteile umso stärker ins Gewicht fielen, je häufiger sie wiederverwendet würden.

Recycling: Papier oder Kunststoff

Das Recycling von Papier- und Plastiktüten ist kein einfacher Prozess. Für das Recycling von Papier müssen die Fasern des gesammelten Altpapiers zunächst aufgeschlossen werden, wozu zahlreiche Chemikalien für das Bleichen und das Trennen der unterschiedlichen Fasern erforderlich sind. Diese Fasern werden dann gereinigt und überprüft, um sicherzustellen, dass sie nicht kontaminiert sind. Schließlich werden die Fasern gewaschen, bevor sie durch Press- und Walzvorgänge erneut zu Papier werden. In Europa liegt die gegenwärtige Wiederverwertungsrate dank örtlicher Altpapiersammlungen bei 70% - ein Erfolg. Mehr als 60 Millionen Tonnen Altpapier werden jedes Jahr in Europa gesammelt (5).

Um Kunststoff zu recyceln, muss er eingeschmolzen und erneut geformt werden, wobei die Qualität nicht so gut ist wie bei neuem Kunststoff. Deshalb wird Kunststoff häufig nach dem Recycling für weniger hochwertige Produkte verwendet. Man spricht auch von „Downcycling“. Auf Grund von strengeren Abfallgesetzen und festgelegten EU-Zielen nehmen in ganz Europa Recycling und Wiedergewinnung von Kunststoff stetig zu (6). In den Niederlanden hat sich die Kampagne “Plastic Heroes” eine effektive Wiederverwertungsrate von 42% aller Kunststoffabfälle im Jahr 2012 zum Ziel gesetzt. Obwohl für das Recycling von einem Kilo Kunststoff 91% weniger Energie erforderlich sind als für dieselbe Menge Papier (7), muss sichergestellt werden, dass die Recycling-Ströme angeregt und verbessert werden, um die einmalige Nutzung von Tüten zu reduzieren und wertvolle Rohstoffe zu sparen. Wenn die Einwohner aller europäischen Länder verantwortungsvoller mit der Wiederverwertung von Kunststoff umgingen, könnte auf diese Weise eine enorme Menge Plastik effizient wiederverwendet werden.  

Das negative Image von Kunststoff

Weltweit werden jährlich zwischen 500 Milliarden und 1 Billion Plastiktüten verbraucht (8). Von diesen landen viele Millionen nicht in der geordneten Abfallwirtschaft (nach Schätzungen betrifft dies 1-3% der Plastiktüten(9)). Dies ist einer der Gründe für das schlechte Image von Plastiktüten in der Öffentlichkeit. Zerrissene Tüten, die sich in Bäumen verfangen haben, Gullys verstopfen oder im Meer treiben, verursachen tatsächlich Probleme. Bilder von Delphinen, Schildkröten oder Pinguinen, die durch das Verschlucken von Plastik verendet sind, haben einen öffentlichen Aufschrei verursacht. Aus diesen Gründen haben einige EU-Mitgliedsländer Maßnahmen ergriffen, um den wachsenden Verbrauch von Plastiktüten und die durch sie verursachte Verschmutzung einzudämmen. Irland und Dänemark haben spezielle Steuern eingeführt, während Einzelhändler in Belgien und Frankreich eine Gebühr erheben, die der Finanzierung von Sammlung und Recycling dient. Die italienische Regierung hat das Thema mit einem völligen Verbot von Plastiktüten noch einen Schritt weiter geführt.    

Wir müssen uns verantwortlicher verhalten

Besteuerung oder Verbote mögen die Menge der verbrauchten Plastiktüten senken, doch wenn wir sie beispielsweise durch Papiertüten ersetzen, werden höhere Mengen Treibhausgas freigesetzt und gleichzeitig benötigen wir mehr Energie für deren Zuschnitt, das Bedrucken und Abpacken und den Transport. Eine gute Lösung ist es, Plastik- oder Papiertüten für die Lebensmitteleinkäufe mehrfach zu verwenden und sie schließlich als Müllbeutel zu nutzen. Eine Investition in eine hochwertige wiederverwendbare Tasche oder eine zusammenklappbare Kunststoffkiste stellt eine nachhaltigere Lösung dar. Die effektivste Lösung ist es, wenn die Menschen die Verantwortung für ihren Abfall übernehmen und ihren Müll sauber trennen, so dass von vornherein vermieden wird, dass Plastiktüten in die Umwelt und in die Meere gelangen. Kunststoff zersetzt sich in der Natur nur langsam, selbst bei Papier kann dies Monate dauern (10).

Ein Anwachsen der Kunststoffmenge in unseren Meeren können wir nur durch eine vernünftige Abfallwirtschaft verhindern. Auf der 5. internationalen Konferenz über Meeresverschmutzung(11) im März 2011 in Honolulu verpflichteten sich die Repräsentanten von Kunststoff-Organisationen auf der ganzen Welt zu einer Initiative mit dem Ziel, Abfall in den Meeren zu verhindern. Sie werden mit Wissenschaftlern und Forschern zusammenarbeiten, um Umfang, Quellen und Auswirkungen von Abfall in den Meeren zu erfassen und Lösungen vorzuschlagen, vor allem für die Küstenländer. In Europa werden Fischer bezahlt, um Abfall, vor allem Kunststoffabfälle, mithilfe spezieller Ausleger zu sammeln (12). Dieses Pilotprojekt ist von den European Plastics Converters (einer Handelsorganisation auf EU-Ebene) gestartet worden und wird vom Europäischen Fischereifonds unterstützt. Die Initiative wird das Meeresleben schützen und die Ozeane säubern helfen. Letztlich aber beginnt jede Initiative für eine saubere Abfallverwertung bei IHNEN!

Anmerkungen

(1) Plastics' contribution to climate protection

(2) Sur la base de l'étude Denkstatt « The impact of plastics on life cycle energy consumption and greenhouse gas emissions in Europe », PlasticsEurope, 2010

(3) Sur la base de « Life Cycle Assessment for three types of grocery bags », par Boustead, 2005

(4) The Scottish Government: publication

(5) Paper Online: Paper recovering and recycling

(6) The Plastics Portal: Recovery & recycling of PET

(7) Reuseit.com: Myth: Paper is Better Than Plastic

(8) Copperwiki.org: Plastic bags

(9) National Geographic: Are Plastic Grocery Bags Sacking the Environment?

(10) Ansers.com: How long does paper take to decompose?

(11) (Marine Debris Solutions: Global Plastics and Plastic Product Producers Take Action on Marine Litter)

(12) Waste free oceans