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Salatgurken in Frischhaltefolie – muss das sein?

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Plastikbeutel für Gemüse, Obst, Backwaren und sogar Biolebensmittel, Frischhaltefolie für Fleisch ... Die Unmengen von Kunststoffverpackungen, die nach einem Einkauf anfallen, können schon verwundern. Brauchen wir sie wirklich? Oder handelt es sich um reine Verschwendung, eine sinnlose Belastung des Hausmülls? . Immerhin hat Kunststoff – mit 24,7 Millionen Tonneni allein in Europa – einen erheblichen Anteil am Abfallaufkommen. Keine Frage, Kunststoffverpackungen sind ein brisantes Thema, das zahlreiche Aspekte unseres Alltags berührt. Nehmen wir einige davon unter die LupePlastics.

Brauchen wir die Verpackungen wirklich?

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Die Frage ist schnell beantwortet: ja, ganz bestimmt. Aber warum? Verpackungen sind zwar auch Werbeträger, doch ihre primären Aufgaben sind, die Ware beim Transport zu schützen und, wichtiger noch, sie frisch zu halten. In dieser Hinsicht sind Verpackungen, zumindest global betrachtet, unverzichtbar.

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Warum ist Frische so wichtig? Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe: Erstens bringt uns Frischware lebenswichtige Vitamine. Dabei gilt: je frischer, desto vitaminreicher. Mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand bemühen sich Hersteller und Händler um die Aufrechterhaltung der Kühlkette*, damit wir uns gesund und schmackhaft ernähren können. Eine zweckmäßige Verpackung macht Lebensmittel haltbarer.
Zweitens wirkt Frischhaltung der Lebensmittelverschwendung entgegen. Schätzungen zufolge kommen annähernd 40 bis 50 % der für uns produzierten Lebensmittel niemals auf den Tisch. Verluste im Werk und beim Transport spielen dabei natürlich eine Rolle, doch der bei Weitem größte Anteil wandert erst nach dem Verkauf – also beim Verbraucher – in den Mülleimer. Ganze Lkw-Kolonnen könnte man mit Bananen oder Äpfeln füllen, die als nicht mehr ganz frisch ausgesondert wurden.

Zu einer Zeit, in der uns die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung Sorge bereitet, ist es wichtiger denn je, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Aber warum gerade Kunststoff?

Für Kunststoff als Verpackungsmaterial sprechen klare, einleuchtende Argumente: Er bietet einen ausgezeichneten Schutz und ist an die verschiedensten Warentypen – ob trocken oder frisch, schwer oder zerbrechlich – anpassbar. Wenn Lebensmittel frisch und unversehrt bleiben – vom Weg in die Ladenregale bis zu den Kühlschränken der Verbraucher –, hat Kunststoff einen wesentlichen Anteil daran.
Dass wir bei der Reduzierung der Verpackungsmengen durchaus vorangekommen sind, zeigt der Rückgang des Verpackungsgewichts – um insgesamt 28 % in den vergangenen 10 Jahrenii. Durchschnittlich liegt heute der Anteil der Verpackung am Gesamtgewicht eines Produktes bei nur noch 1 bis 3 %.
Doch auch nach Kriterien der Nachhaltigkeit kann Kunststoff punkten:

  • Eine typische Salatgurke verbraucht auf ihrem Lebensweg (Anbau, Waschen, Transport usw.) rund 375 Liter Trinkwasser. Die dazugehörige Frischhaltefolie benötigt gerade einmal 0,02 Literiii
  • Verpackte Gurken bleiben bis zu 14 Tage, unverpackte nur 3 bis 7 Tage lang frisch. Neue „atmungsaktive“ Membranen verheißen gar eine Haltbarkeit von bis zu 40 Tageniv
  • Die CO2-Bilanz einer Kunststoffverpackung beträgt nur einen Bruchteil von der des Produktes: durchschnittlich 1 %. Um beim Beispiel der Gurke zu bleiben: Vom Feld in das Ladenregal (einschließlich Waschen, Transport usw.) fallen rund 4.500 g CO2 an – für die ca. 5 g schwere Frischhaltefolie hingegen fallen nur etwa 10 g CO2 an.v.
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Gibt es Alternativen zu Kunststoff?

Ja, selbstverständlich: Auch Metall, Karton, Holz oder Keramik können Lebensmittel ausgezeichnet schützen. Der einzige Haken sind die Transportkosten. Insbesondere das deutlich höhere Gewicht (im Durchschnitt 3,6-mal höher als das von Kunststoff) wirkt sich auf die Kraftstoffkosten und CO2-Emissionen aus. Nach einer aktuellen Studie würde ein europaweiter Umstieg auf alternative Verpackungsmaterialien den Mineralölverbrauch um annähernd 27 Millionen Tonnen und die CO2-Emissionen um den Gegenwert von 21 Millionen Pkws in die Höhe treibenvi.

Die Kunststoffverpackung der Zukunft

Was nun das Verbesserungspotenzial beim Kunststoff anbelangt, erscheint es besonders wichtig, die Ressourcennutzung – d. h. den Mineralölverbrauch – zu rationalisieren. Erreichen lässt sich dies unter anderem durch eine Reduzierung des Verpackungsgewichts, was wiederum eine Steigerung der Festigkeit erfordert – derzeit Gegenstand intensiver Forschungen. Zudem laufen Bemühungen, Kunststoffe auf Basis alternativer Rohstoffe, beispielsweise Biokunststoffe, zu entwickeln.Verbesserungswürdig ist auch die Entsorgung von Kunststoff – sei es durch Wiederverwendung, Recycling oder Verbrennung. Aufgrund der Vielzahl an Strategien, die von den Kommunen verfolgt werden, sollte man nicht nur auf ein Verfahren setzen: Einige recyceln bereits kräftig, andere beginnen, Kunststoffabfälle als Energieträger zu nutzen. Wichtig ist jedenfalls, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass Kunststoff durchaus recycelt und wiederverwendet werden kann und dass dabei alle Akteure – Hersteller, Kommunen und Verbraucher – gefragt sind.

Stoff zum Nachdenken ...

Zuletzt ein Denkanstoß: Kunststoffe basieren auf Mineralöl. Sollten wir sie nicht in größerem Umfang als Energieträger nutzen? Nur rund 58 % aller Kunststoffabfälle werden derzeit im EU-Gebietvii getrennt entsorgt  – davon 24 % zum Recycling und 34 % zur Energiegewinnung durch Verbrennung. Können wir es uns angesichts unseres enormen Energiebedarfs noch leisten, ein so wertvolles Gut so wenig zu nutzen?

Doch auch bei Initiativen dieser Art sind alle gefragt – Hersteller, Kommunen und Verbraucher, ob in der Wirtschaft oder in Privathaushalten. Die Trennung unserer Abfälle ist eine einfache Maßnahme zum verantwortungsvolleren Umgang mit unseren Ressourcen. Unsere Lebensqualität kann dadurch nur gewinnen.

* Kühlkette: Fachausdruck für die ununterbrochene Kühlung wärmeempfindlicher Erzeugnisse (z. B. bestimmter Lebensmittel oder pharmazeutischer Produkte) – vom Werk über Versand und Warenlager bis in die Einzelhandelsgeschäfte.

Anmerkungen

i Plastics – The Facts 2011, PlasticsEurope
ii http://www.federplast.be/
iii numbers based on LCA data
iv Shelf-life of cucumbers http: //www.packagingnews.co.uk/
v numbers based on LCA data
vi numbers based on LCA data
vii Denkstatt study by PlasticsEurope “Plastics – The Facts 2011”, PlasticsEurope